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Journalismus zwischen Content und Crowd:
Nachschau zum Pfälzer PowWow


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Journalismus zwischen Content und Crowd:
Nachschau zum Pfälzer PowWow

Auf dem Mainzer Mediendisput 2014 diskutierten Vertreter aus Medien und Agenturen den Zustand des Journalismus im digitalen Zeitalter. KB-Redakteur Reiner Schweinfurth war dabei. Und ist enttäuscht von der Innovationsträgheit der deutschen Medienlandschaft.

Mainzer-Mediendisput

„Journalismus zwischen Content und Crowd“ – so hieß ein PowWow in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz am 2. September 2014. Schnell war klar, die Guten sind die Hoffnungsträger vom Krautreporter, die Bösen sind die Agenturen, die mit Geschichten Geld verdienen, die sie für und mit Kunden erzählen.

Die moralische Bewertung änderte sich im Lauf des Abends kaum. Geld für professionellen, unabhängigen Journalismus sollen Anzeigenkunden, Abonnenten und Kioskkäufer bezahlen. Ach, wenn es doch ewig so geblieben wäre…

Lukas Kirchers Plädoyer, dass die Verlage sich ökonomisch mit der Digitalisierung beschäftigen sollten, damit neue Methoden der Recherche, der Journaille bisher verschlossene Aktionsfelder entwickelt werden – und wir vielleicht gar keinen Niedergang des Gewerbes erleben, sondern einen ganz normalen, technik-getriebenen Umbruch…. das stieß auf Interesse, aber auf wenig Glauben.

Der ehemalige Chefredakteur des Handelsblatts, Bernd Ziesemer, beschwor mit seinem Eingangsstatement die Unabhängigkeit der Presse, sieht in bezahlten Artikeln, die von den Redaktionen einfach abgedruckt werden (Native Advertising) den Anfang vom Ende einer freien Berichterstattung. Die Teilnehmer auf dem Podium ließen sich davon nur mäßig alarmieren. Selbst die dpa und ihr Chefredakteur Sven Gösmann schauen sich im Corporate-Bereich um, um Jobs an Land  zu ziehen. Und setzen dazu ihr genossenschaftliches Modell ein.

Lichtbringer sind zurzeit Sebastian Esser und seine Krautreporter. Moderator Thomas Leif provozierte mit der Bullshit-Frage: „Sind Sie der neue Stern?“ Soviel Erwartung kann nur enttäuscht werden. Fast 18.000 Menschen spendeten bisher Geld für die Idee eines Unternehmens, das sich nur vom Leser abhängig machen will.

Agenturen haben naturgemäß ein anderes Geschäftsmodell; dass sie sich permanent rechtfertigen sollen, warum sie erfolgreich sind und mitnichten George Orwells Dystopie verpflichtet, – das gehört zu einer Kampfbeschreibung, die immer weniger verstanden wird.  KircherBurkhardt produzierte das erste Anti-Kriegs-Journal einer deutschen Armee für das Bundesministerium der Verteidigung.

Wie wertfrei digitale Maßnahmen zur Zeit immer noch funktionieren, zeigen die Fahrradtouren von Critical Mass einerseits und die Datenhysterie bei den Geheimdiensten andererseits. Warum sollte für den Journalismus dieses Möglichkeitsspektrum nicht gelten?

 

Über den Autor:

Reiner Schweinfurth

Reiner Schweinfurth ist leitender Redakteur bei KB. (Und ehemaliger Leiter des KB Wurstclubs.)

 

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